2.08.2011

Zu Hause!?

Nachdem die abschließenden Einkäufe in Bangkok durch den unerwarteten Krankenhausaufenthalt etwas hektisch vonstatten gegangen waren, flogen wir über Singapur nach Dubai, um zum Abschluss unserer geliebten Reise noch einmal einen kurzen Einblick in eine völlig andere Kultur zu bekommen. Wir bestiegen das höchste Gebäude der Welt, bewunderten die verschiedensten, architektonisch beeindruckenden Gebäude und handelten das ein oder andere Mal mit den Verkäufern auf einem der arabischen Souks (=Märkte).
Nach 10 Monaten auf Reise und so manchen Einkäufen auf Märkten konnten wir unser Verhandlungsgeschick an einem unter Realitätsverlust leidendem Araber erproben, der sich erdreistete, mit dem sanft überzogenen 4,5-fachen des finalen Preises in die Verhandlung einzusteigen (lustigerweise ging es um einen gefälschten Artikel, der sogar im Orginal günstiger zu haben gewesen wäre ;-) ).



Unbeschreiblich war der Besuch der „Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan“-Moschee in Abu Dhabi: Ich würde die Moschee als das beeindruckendste moderne Gebäude bezeichnen, das wir auf unserer Reise gesehen haben (der Bau wurde 2007 fertiggestellt), so überwältigend waren ihre mächtigen weißen Kuppeln, spiegelnden Marmorböden und kunstvollen Verzierungen in den großen Gebetshallen für uns.



Unseren letzten Abend auf Weltreise verbrachten wir in einem schönen Restaurant am Ufer des Dubai Creek, genossen libanesisches Essen und bliesen, in Erinnerungen gefangen, den kalten Rauch der Wasserpfeife in den sternenklaren Abendhimmel. Wir dachten mit glänzenden Augen über das vergangene Jahr nach und nahmen Abschied von einer Zeit, in der wir alle Freiheit, die uns zur Verfügung steht, in vollen Zügen ausgenutzt haben.

Und letztendlich – wir konnten es gar nicht richtig fassen – landeten wir wieder am Flughafen in Köln-Bonn und konnten unsere Familie nach solch langer Zeit wieder in die Arme schließen und unsere Freunde wiedersehen. Uns kam es ziemlich komisch vor, wieder alle Leute deutsch sprechen zu hören. Noch komischer war es, den leeren, mit Flaggen aller bereister Länder bestickten Rucksack in die Ecke des Zimmers zu werfen…

Mittlerweile sind knappe 2 Monate seit unserem Eintreffen im kalten, verregneten, schönen Deutschland vergangen. Man wird gefragt, was das herausragende Erlebnis der Reise war und ob man sich schon wieder eingelebt habe. Wohin man auswandern würde, wenn man die Wahl hätte. Ob die Erinnerungen nicht schon verblassten… Letzteres kann ich definitiv verneinen. Noch verblasst nichts, zumindest nichts Ausschlaggebendes. Ich kann die Augen schließen und bin wieder dort. Es ist nicht wie so manche Arbeitswoche, von der man häufig schon nach kurzer Zeit nicht sicher behaupten kann, dass sie jemals wirklich stattgefunden hat. Zu außergewöhnlich ist das Erlebnis, zu unterschiedlich die Kulisse. Lisa ergeht es da nicht anders.

Wenn ich auf die Weltkarte in meinem Zimmer schaue, bemerke ich, dass sich so einige Länder und Orte mit Leben gefüllt haben. Meine Welt ist größer geworden. Wenn wir nachts auf der Terrasse liegen und die blinkenden Lichter der Flugzeuge vorüberziehen sehen, malen wir uns aus, wohin diese fliegen könnten. Nebelverhangene Gebirgszüge der Anden, einzigartige Tierwelten auf Galapagos, mystische Inkaruinen, Sonnenaufgänge in endlosen Sandwüsten und Sonnenuntergänge auf kleinen Inseln mitten im Pazifik, Tauchgänge in die farbenfrohe Welt des Great Barrier Reefs und weiße Strände in den Whitsundays, endlose Zucchini-Felder, grelle Metropolen, hellblau glänzendes Gletschereis und Sprünge aus Flugzeugen über einer einzigartigen Landschaft voller idyllischer Bergseen. Fjorde, dampfende Vulkanlandschaften, bunte asiatische Märkte und verräucherte Tempel voll goldener Buddhastatuen. Leuchtend grüne Reisfelder, Silhouetten endloser Pagodenfelder und freundlich winkende Einheimische, Elefantenritte im dichten Dschungel, Bootstouren zwischen tausenden Inseln und hoffnungslos chaotische Städte, pilgernde Mönche in tiefroten Roben und großartige Ruinen vergangener Kulturen. Und wir sind wirklich dort gewesen.















Wir hoffen, dass euch unser Blog gefallen hat und dass ihr durch unsere Beschreibungen, Geschichten und Bilder aus der fernen Welt einige Eindrücke sammeln konntet. Dass wir vielleicht sogar jemandem den gedanklichen Anstoß gegeben haben, sich selbst auf den Weg zu machen – nichts ist vergleichbar mit der eigenen Erfahrung. Wir wissen gar nicht so wirklich, wer unsere Schritte auf dem Blog verfolgt hat (könnt euch ja mal melden ;-) ), da die Besucherzahlen aber doch immer wieder ganz schön gestiegen sind, wussten wir, dass sich einige für unsere Reise interessiert haben und unsere Beschreibungen einen Empfänger finden. Hin und wieder werden wir bestimmt noch mal etwas in den Blog schreiben, wenn auch weniger häufig als in den vergangenen Monaten. In diesem Sinne, vielen Dank für euer Interesse und bis bald ;-)

Mit immer schwerer werdendem Gepäck machten wir uns auf den Weg in die letzten 2 Wochen unserer Weltreise. Es war ein seltsames Gefühl, zu bemerken, dass dieses Jahr, auf das man so lange vorausgeschaut hat, für das man so lange geplant und unendlich Zeit investiert hat, nahezu vorbei sein sollte. Mit den Tempeln von Angkor in Kambodscha lag einer der Höhepunkte Südostasiens aber zum Glück noch vor uns…


In Ho Chi Minh City, dem ehemaligen Saigon, streiften wir stundenlang durch das berühmt berüchtigte Kriegsreliktemuseum (der ehemalige Name, „Museum der chinesischen und amerikanischen Kriegsverbrechen“, kam scheinbar weniger gut an, weshalb man sich auf diesen etwas unverfänglicheren Namen einigte; die Austellung blieb jedoch dieselbe), in dem die Schrecken des Krieges erbarmungslos und in aller Schärfe vor Augen geführt werden. Auch wenn es dem Museum hier und dort an Objektivität mangelt und die Darstellung einseitig sein mag, verändert das nichts an den dargestellten Auswirkungen, die der Krieg für die Menschen Vietnams mit sich brachte und deren Folgen heute teilweise noch sichtbar sind. Neben den unzähligen Toten und zerstörten Dörfern, die jedem Krieg anhaften und die so manche Regierung in Anbetracht ihrer „übergeordneten Interessen“ problemlos als Kollateralschaden in Kauf zu nehmen scheint, hinterließen 15 Millionen Tonnen Sprengstoff (doppelt so viel wie im 2. Weltkrieg) eine völlig zerstörte Infrastruktur und die eingesetzten chemischen Entlaubungsmittel millionenfache Missbildungen unter der Bevölkerung.


Nachdem wir uns so einige Sehenswürdigkeiten der boomenden Metropole Ho Chi Minh City angeschaut hatten (von völlig überlaufenen Märkten, verräucherten Tempeln hin zu hübschen Kolonialgebäuden ist alles vorhanden), verabschiedeten wir uns schweren Herzens vom schönen Vietnam und machten wir uns auf den Weg nach Kambodscha, wo die Tempelanlagen von Angkor auf uns warteten. Angkor ist vor allem bekannt für den Tempel Angkor Wat, den größten Tempelkomplex der Welt, und Ta Prohm, dessen Kombination aus verwildertem Dschungel und verfallenen Ruinen ein unglaubliches Szenario abgibt (u. a. bekannt geworden durch den Film Tomb Raider).

Für den ersten Tag mieteten wir uns ein Tuk Tuk, um damit zu den etwas weiter entfernten Tempelanlagen Banteay Srei und Kbal Spean zu fahren. Banteay Srei ist ein recht kleiner Tempel, der seine Überschaubarkeit aber durch die unglaublich detaillierten Steinmetzarbeiten wieder wett macht. Wir staunten ausgiebig über die Detailgenauigkeit und Bedeutung der Verzierungen und ließen uns fototechnisch an der tollen Kulisse aus.



Am zweiten Tag buchten wir einen Guide, der uns über die Tempel Angkor Wats, aber auch über das allgemeine Leben in Kambodscha aufklärte. Die Zeit der Khmer Rouge ist erst seit ca. 30 Jahren vorbei, so dass ein großer Teil der Menschen von den Grausamkeiten dieser Jahre berichten können, in denen ca. 2 Millionen Kambodschaner unter dem Regime sterben mussten (empfehlen zu diesem Thema können wir das recht bekannte Buch „Survival in the Killing Fields“ von Haing Ngor).

Wir nutzten die brütende Mittagssonne, in der sich die meisten Touristen in ein schattiges Restaurant zurückzuziehen pflegen, um nahezu alleine die schönsten Tempel Angkors zu erkunden. Neben Banteay Srei hinterließen Ta Prohm, das Bayon im Herzen der antiken Stadt Angkor Thom und natürlich Angkor Wat unvergessliche Eindrücke bei uns. Hinter jeder Ecke kann man erneut über die Schönheit dieser Orte zu staunen beginnen. Am Besten lässt sich Angkor ganz eindeutig durch Bilder beschreiben, deshalb hier ein paar unserer Fotos:





Bei aller Schönheit reisst einen die Armut, mit der man in Siem Reap konfrontiert ist, aus den Träumereien. Hoffnungslos überfordert waren wir an einem Tempeleingang, an dem sich ein Dutzend Kinder und Erwachsene an unsere Fersen hefteten, um durch den Verkauf des ein oder anderen Souvenirs etwas Geld zu verdienen. Wir wussten nichts zu tun außer zu flüchten, so unpassend und schwer es auch sein mag, die Menschen in ihrer erbärmlichen Armut zurückzulassen.

Am letzten Abend in Siem Reap wollten wir noch einmal die authentische kambodschanische Küche genießen und gingen in ein gut besetztes Restaurant im Stadtzentrum. Schon nach dem Essen merkte ich, dass mir das Essen nicht sonderlich gut bekommen hatte. Als wir nach einer ca. 10-stündigen Busfahrt am Abend des nächsten Tages in Bangkok angekommen waren, wurden meine Kopfschmerzen stärker und die üblichen Magen-Darm-Probleme stellten sich ein. Als ich Lisa in der kommenden Nacht dank eines spontanen Ohnmachtsanfalls eindrucksvoll gezeigt hatte, wie es klingt, wenn zwei Kniescheiben mal so richtig auf den Fliesenboden krachen, entschieden wir, das Bumrungrad Hospital aufzusuchen, wo ich auch gleich herzlichst aufgenommen wurden (dumm nur, dass wir unser Hostel schon für die 3 Nächte im Voraus bezahlt hatten ;-) ). Hauptgrund dafür, im Krankenhaus zu bleiben, war die Tatsache, dass einige fiese Tropenkrankheiten wie Dengue-Fieber oder Malaria mit ähnlichen Symptome daherkommen.

Ich nächtigte in einem bescheidenen 2-Bett-Zimmer mit eigenem 32-Zoll-Flachbildschirm und Unterhaltungssystem, Lisa hatte eine eigene Schalfcouch. Jeden Morgen wurde eine frische Rose an mein Bettchen gestellt ;-) . Etwas makaber wirkte das feierliche Überreichen des W-LAN-Passwortes, als ich um 3 Uhr morgens in meine Residenz geschoben wurde. Die Ärzte machten einige Tests und man konnte auf die übliche, wenn auch etwas heftiger als gewöhnlich ausgefallene Lebensmittelvergiftung schließen. Ich genoss 2 Tage und 2 Nächte in dieser für unsere Verhältnisse recht luxeriösen Unterkunft, bevor wir uns auf die Abreise aus Südostasien vorbereiteten (das Fehlen des Infusionsschlauches hätte den Komfort-Grad jedoch nochmals angehoben).

Recht bald werden wir auch den vorerst letzten Blogeintrag zu unserer Reise online stellen. Bis dahin, beste Grüße von den mittlerweile heimgekommenen Weltreisenden ;-)

Nach der Geschichte mit der australischen Maus auf unserer kleinen Farm in Mareeba habe ich einen weiteren kleinen Exkurs parat, der die ungewollte Mitbewohnerschaft in einem unserer hochqualitativen Zimmer beschreibt: Als Lisa gerade im Bad unseres etwas „verwohnten“ Hostels in Hanoi, Vietnam, verschwunden war und ich genüsslich ein Schokoladenküchlein verspeiste, krabbelte eine riesige, absolut monströse Spinne über den Fußboden (das ist jetzt keine Übertreibung: eine Spinne solchen Ausmaßes hatte ich bisher nur im Zoo hinter dicken Verglasungen, die ich sehr zu schätzen wusste, gesehen). Bei dem Anblick erstickte ich nahezu an meinem wertvollen Schokoladenküchlein. Da wir keine entsprechende Waffe greifbar hatten, die es mit ihr hätte aufnehmen können (ich bereute, die .44er Magnum aus dem australischen Schießstand nicht entwendet zu haben), entschieden wir, den Hostelbesitzer kommen zu lassen.

Das Männergrüppchen in der Empfangshalle lachte nur amüsiert, als Lisa beschrieb, wir hätten eine RIESIGE Spinne im Zimmer. Als der Sohn der Familiy dann aber das Ungetüm sah, sah man ihm sein Erschrecken eindeutig an. Er holte einen Holzstab, mit dem er Aragog zu erdrosseln suchte (wir tauften sie posthum nach dem pelzigen Freundchen Hagrids in Harry Potter; jeder Kenner weiß warum). Der erste Versuch scheiterte, dennoch entschied er den Kampf für sich – ich erspare euch die Einzelheiten. Ich kauerte währenddessen weniger heldenhaft in der Ecke des Zimmers, Lisa hatte sich in den Flur zurückgezogen. Mit einem Tiger hätte ich ja keine Probleme gehabt, aber so was…

Wir haben leider kein verwertbares Bild unseres pelzigen Freundes (wir waren zu sehr mit dem Erhalt unseres Lebens beschäftigt, als uns Gedanken um Fotos machen zu können). Damit ihr aber wenigstens eine ungefähre Vorstellung habt, haben wir hier ein Bild seines Namensvetters: ;-)

Nachdem wir den Schreck verdaut hatten, zogen wir ein bisschen durch die Altstadt Hanois. Vietnams Großstädte zeichnen sich auf den ersten Blick vor allem durch Unmengen von Rollern und Mopeds aus, die hupend und rempelnd, jegliche Verkehrsregeln missachtend (falls überhaupt vorhanden) durch die Straßen röhren. Zebrastreifen sind übrigens mehr ein Sammelpunkt für Leute, die die Überquerung der Straße wagen wollen (nach dem Motto: gemeinsam sind wir stark). Keine Sau denkt ernsthaft übers Anhalten nach. In der Praxis sieht es dann so aus, dass man mit gleichbleibender Geschwindigkeit über die Straße läuft, während die Rollerfahrer einrechnen, wie viel Fortschritt man macht und ihren Fahrtweg entsprechend anpassen. Nur vorm Stehenbleiben sollte man gewarnt sein: Es verwirrt die Rollerfahrer ganz furchtbar, wenn ihr Ausweichmanöver durch den ängstlichen, zögerlichen Touristen zum Scheitern verurteilt wird.


Hanoi empfanden wir als eine der atmosphärisch schönsten Städte Südostasiens. Die Altstadt sprudelt nur so vor Geschäftigkeit und asiatischem Lebensstil. Die Gehwege der Straßen und die kleinen Gassen sind vollgestopft mit kleinen Ständen, die alles mögliche verkaufen, das gesamte Leben findet mehr oder weniger auf der Straße statt (hierbei sei angemerkt, dass Gehwege in Asien nicht denselben Zweck erfüllen, wie hier in Deutschland; auf den Gehwegen wird alles mögliche gemacht: die Menschen kochen und verkaufen Speisen, spielen Brettspiele, schlafen, handeln, stellen kreuz und quer Roller ab… zum Laufen ist jedenfalls kein Platz mehr übrig). Doch bei aller Geschäftigkeit kann man in Hanoi wunderbar ruhige und gemütliche Abende verbringen – vor allem wegen des schön gestalteten Hoan-Kiem-Sees im Zentrum der Altstadt, der in den etwas „kühleren“ Abendstunden zu Spaziergängen einlädt.

In Hanoi buchten wir eine 3-tägige Tour zur Ha Long Bay, einer Bucht mit tausenden schroffen Karstfelsen, die steil aus dem Wasser aufragen. Wir tuckerten mit einem schönen kleinen Boot zwischen den Inseln umher, schauten uns riesige Höhlen an und paddelten mit Kajaks durch das ruhige Wasser. Wir wanderten zu Aussichtspunkten, von denen sich Rundum-Ausblicke auf die dicht bewachsenen Inselchen eröffneten und lagen, in leicht melancholischen Erinnerungen an die sich dem Ende zuneigende Weltreise schwelgend, auf Deck des Bootes und starrten in den Sternenhimmel.


Nach der sehr schönen Tour in der Ha Long-Bucht verließen wir Hanoi nach Süden in Richtung Hue, der alten Kaiserstadt Vietnams. Durch den an Bedeutung gewinnenden Tourismus ist die Restaurierung der Ruinen der Kaiserstadt momentan im vollen Gange (obwohl der Kommunismus, wie er sich nach dem Abzug der USA in ganz Vietnam durchgesetzt hat, bekanntermaßen weniger Wert auf blaues Blut legt). Aufgrund der Jahrhunderte andauernden chinesischen Besatzung Vietnams im 1. Jahrtausend ist der kulturelle Einfluss Chinas überall zu sehen. Drachen schmücken die Fassaden der Tempel und auch chinesische Schriftzeichen sieht man oft (das heutige Vietnam verwendet ein von den Franzosen entwickeltes Schriftsystem, basierend auf dem lateinischen Alphabet).

Weiterhin machten wir einen sehr interessanten Tagesausflug in die entmilitarisierte Zone an der Grenze des früheren Nord- und Südvietnams, in der sich Überbleibsel aus einer Zeit beobachten lassen, in der das kriegsmäßig ohnehin ziemlich gebeutelte Vietnam sehr zu leiden hatte. Unser Guide, ein ehemaliger „Scout“ (Auskundschafter) der Südvietnamesischen Armee, konnte uns durch seine Erinnerungen die Vorkommnisse sehr lebendig beschreiben.

Nach Hue machten wir noch einen Abstecher nach Hoi An, einer kleinen, mittelalterlichen Stadt, die mit einem massiven Angebot an Schneidern und Schuhmachern aufwarten kann. Da meine Anzüge durch den häufigen Arbeitseinsatz in der Bank etwas mitgenommen aussahen und Frauen natürlich immer mindestens ein neues Kleid vertragen können, ließen wir uns jeweils etwas nach Maß schneidern – und waren beide mehr als zufrieden mit dem Resultat ;-)

Nach 24 Tagen verließen wir Myanmar schließlich wieder und flogen zurück nach Bangkok, von wo aus wir den Nachtbus nach Chiang Mai im Norden Thailands nahmen. Dort fand nämlich anlässlich des Neujahrsfestes der Thailänder (Songkran) vom 12. bis zum 15.04 die wohl größte Wasserschlacht des Landes statt. Traditionell werden an den Festtagen sogenannte „rituelle Waschungen“ durchgeführt: Mönche und Buddha-Figuren werden von den Gläubigen mit Wasser beträufelt; ein Brauch, der Säuberung und Erneuerung symbolisieren soll.

Da die Thais jedoch einen ausgesprochenen Hang zum Feiern haben, hat es sich so entwickelt, dass sich an Songkran schlichtweg alle Personen gegenseitig mit Wasser übergießen (von beträufeln kann da keine Rede mehr sein). Die ganze Sache startet in den großen Städten auch nicht erst mit Beginn der Feiertage, sondern – weil es scheinbar keiner erwarten kann – schon ein paar Tage früher und hält auch länger an, so dass man in Chiang Mai etwa eine Woche lang jederzeit damit rechnen muss, mit einem 10 Liter Eimer Wasser übergossen zu werden (Touristen werden hierbei besonders gerne als Opfer gesehen). Auf den Straßen rund um die Altstadt entstehen in dieser Zeit Umzüge aus Pickups, auf deren Ladeflächen die jeweiligen Familien feiern und im vorbeifahren Leute mit eisgekühltem Wasser bespritzen. Das Eis sorgte nur dafür, jeden Übergossenen möglichst erschrocken und fröstelnd zurückzulassen. Wir besorgten uns jeweils eine Super Soaker (große Wasserpistole) und mischten mit. Das nachfolgende Foto beschreibt die Situation auf der Straße wohl besser als alle Worte (die Bildqualität ist leider etwas eingeschränkt, aber unsere Kamera hätte die ganze Aktion bestimmt nicht ohne die übergestülpte Tüte überlebt):

So kamen wir ziemlich durchnässt ins buddhistische Jahr 2554. Nachdem wir die Wassermassen überstanden hatten, fuhren wir an einem der darauffolgenden Tage mit einem gemieteten Roller zu einem der vielen Elefanten Camps in der Umgebung Chiang Mais. Anfangs konnte man badenden Elefanten zuschauen, die einen selbst auch gerne mal am Baden beteiligten. Im Anschluss gab es eine Show, deren Höhepunkt die künstlerischen Fähigkeiten der Tiere zeigte. In 10 Minuten zauberten die furchtbar konzentriert aussehenden Dickhäuter recht gut aussehende Bilder hervor – wie die Mahouts (=Pfleger) sie dazu bringen, genau das zu malen, was sie wollen, ist uns schleierhaft. Während unseres einstündigen Elefantenrittes wurden wir dann kräftig durchgeschüttelt (unsere Bemühungen, nicht vom Elefant zu fallen, schränkten diese romantische Erfahrung etwas ein). Bei der Erfindung des Elefanten wären zusätzliche Stoßdämpfer eine gute Idee gewesen ;)

Von Chiang Mai aus ging es für uns mittels einer ziemlich chaotischen Busfahrt nach Laos. In Kürze sah das etwa so aus: Bus 1 brauchte wegen sintflutartiger Regenfälle viel länger als normal; Stress an der Grenze, weil wir so spät waren; Bus 2 (auf laotischer Seite) überbucht, deshalb 16 Stunden auf einer Ablage neben dem Fernseher gesessen/geschlafen…

Luang Prabang war dann aber eine positive Überraschung: Eine sehr atmosphärische Altstadt mit ruhigen Klöstern, kleinen Gassen und einem tollen Nachtmarkt. Besonders Frühstücken war geradezu eine Wohltat für uns, denn dank den Franzosen gibt es in Laos Baguette – nicht nur das olle Toastbrot, das wir schon seit Monaten nur mangels erschwinglicher Alternativen duldeten. So kommt es auch, dass man überall in den touristischen Gegenden sehr günstige und leckere, nach Wunsch belegte Sandwichs an Straßenständen kaufen kann. Fast schon besser als Subway ;-) .

Leider hatten wir diesmal nicht allzu viel Zeit in Laos und schauten uns darum nur noch Vang Vieng an, ein landschaftlich wunderschön gelegenes Dorf, in dem man sich verschiedensten Outdoor-Aktivitäten hingeben kann. Von wandern, trekken, klettern und raften bis hin zu Ballon fahren ist alles möglich. Die meisten Touristen kommen aber hierher, um „Tuben“ zu gehen: Man lässt sich in einem großen Reifen den nahegelegenen Fluss runter treiben und hält zwischendurch immer wieder an den am Flussufer gelegenen Bars (man hat auch nahezu keine Wahl, denn die Barbesitzer werfen einem konstant Seile zu und buhlen mit Schildern und halsbrecherischen Sprungtürmen um die Gunst der Traveller). Haben wir, nachdem wir einen Tag wandern und einen anderen klettern waren, auch ausprobiert. Wirklich ganz lustig, dummerweise war die Strömung des Flusses zum Ende der Trockenzeit so langsam, dass man ohne erheblichen Paddel-Aufwand eher auf der Stelle herumplanschte als den Fluss herunterzutreiben.

Klettern in Vang Vieng können wir auf jeden Fall sehr empfehlen. Die einheimischen Guides machten einen recht sicheren und routinierten Eindruck, auch wenn sie uns erzählten, dass erst seit ca. 4 Jahren in Laos geklettert wird. Die Routen an den Felsen (also auch die Sicherungen) wurden aber nicht von Einheimischen, sondern von einigen deutschen Kletterern entworfen. Unterhaltsam war unsere französische Kletter-Kollegin, die zur Förderung der Eigenmotivation bei anstrengenden Passagen regelmäßig zu brüllen begann und bei Gelegenheit auch herzhaftes französisches Fluchen hervorbrachte.

Noch zwei wichtige Ziele standen auf unserem Plan für Myanmar: Der Inle-See und Bagan, das Zentrum eines der mächtigsten, früheren Königreiche Südostasiens. Nach einer weiteren, grauenhaften Busfahrt erreichten wir den kleinen Ort Nyaungshwe am Inle-See. Weil hier nahezu jeder Tourist auf seiner Reise durch Myanmar früher oder später vorbeikommt, hat sich die typische Traveller-Küche durchgesetzt: Pancakes, Pizza & Pasta gibt es an jeder Straßenecke. Wir konnten es gar nicht erwarten, noch einmal italienisch zu essen und gingen zu Mee Mee’s Choice, einem kleinen, günstigen Restaurant, dessen netter Besitzer hausgemachte Pasta anbot. Als er mit entschlossenem Blick und einem Fleischermesser in der Hand an der Sitzterrasse vorbei auf die Straße schlenderte, befürchteten wir bereits, er würde, entgegen seiner Ankündigung, kein Fleisch für die Bolognese-Soße zu besitzen, einen der ohnehin zu häufig vorhandenen Straßenköter verarbeiten. Erleichtert stellten wir fest, dass er es lediglich auf das eigens angebaute Basilikum abgesehen hatte – er händigte uns, stolzen Blickes, ein Blättchen zur Probe aus.

An einem der folgenden Tage machten wir eine 1-tägige Bootsfahrt auf dem Inle-See, bei der man schön das Leben der Fischer und Seebewohner beobachten konnte.

Bekannt ist der Inle-See für seine Ein-Bein-Ruderer: Fischer in kleinen Booten, die auf einem Bein stehend und mit dem anderen Bein rudernd (!) mit ihren Netzen hantieren. Ein echter Balanceakt.

Die Menschen des Sees (so die Übersetzung des Volksnamens) haben Dörfer auf dem See gebaut, wo sie in ihren schwimmenden Gärten als Landwirte tätig sind.

 
 

Wir hatten gehört, dass Zug fahren im ehemaligen Burma eine interessante Erfahrung ist. Unser Reiseführer beschreibt es als „die Entdeckung der Langsamkeit“. Aus diesem Grund, und weil wir die besonders schlechten Straßen dieser Region umgehen wollten, nahmen wir für die erste Teilstrecke in Richtung Bagan den Zug. Der Tag der Reise begann damit, dass unser Zug abgesagt wurde. Nach 3-stündigem Abhängen auf dem ausgesprochen unattraktiven Bahnhofsgelände tuckerte dann der nachfolgende Zug ein. Wir nahmen die 1. Klasse (Touristen werden mehr oder weniger gezwungen, hiermit zu fahren) und schaukelten mit ca. 25 km/h für ziemlich genau eine halbe Stunde 2 Haltestellen weiter, bevor der Zug – ohne jedes Kommentar in einer uns verständlichen Sprache – für 3,5 Stunden in einem Örtchen, dessen Namen wir nicht kannten, anhielt. Als wir schließlich doch weiterfuhren (wir hatten uns schon auf eine Nacht im Zug eingestellt), wurde uns auch schnell bewusst, warum diese kleine Verzögerung aufgetreten sein musste (siehe Bild).

Wir kamen ca. 8 Stunden später im 150 km entfernten Kalaw an. Ich buchte noch schnell eine kleine Trekking-Tour in die nähere Umgebung für den nächsten Tag, während Lisa einen ruhigen Tag mit ihrem derzeitigen Buch verbringen wollte. Wir liefen durch einige kleine Bergdörfer verschiedener Stammesgruppen, die sich vor allem dem Anbau von grünem Tee widmeten. Da wir nur zu zweit unterwegs waren (Sonya, meine 19-jährige Führerin und Ich) luden uns manche Feldarbeiter, denen wir auf dem Weg begegneten, zu einem Tee ein. Einer fragte mich (über die dolmetschende Sonya) über das Leben in Deutschland aus. Ganz große Augen bekam er, als ich erklärte, dass wir elektrische Herde benutzen, bei denen nach dem drehen an einem Knopf eine Art Glasplatte warm würde. Man koche nach wie vor mit einer Feuerstelle, erklärte er. Eine Stromleitung würde jedoch bald auch sein Dorf erreichen. Und man denke über den Verkauf einiger Ochsen nach, um einen Traktor anzuschaffen. Auf seine Frage hin, wie viele Stammesgruppen in Deutschland leben würden, wusste ich zunächst keine sinnvolle Antwort. Ich beschrieb, es gäbe innerhalb Deutschlands kleinere kulturelle Unterschiede, in eindeutig abgrenzbare Gruppen würde man aber üblicherweise nicht aufteilen… Das folgende Bild zeigt ein typisches Wohnhaus der Landbevölkerung. In der Mitte des Bildes ist der überall vorhandene Ahnenaltar zu sehen, auf dem allmorgendlich verschiedene Speisen für verstorbene Familienmitglieder bereitgestellt werden.

Für den nächsten Tag buchten wir dann den Direktbus nach Bagan. Zwei besonders eifrige Trishaw-Fahrer (Trishaw = Fahrrad mit zwei zumontierten Sitzen) hielten den Reisebus vor dem Eintreffen auf dem Busbahnhof in Bagan an und lotsten die dummen Touris aus dem Bus, um sich selbst das Geschäft für den Transport zu sichern und die anschließende Provision vom Guesthouse einzusacken – beides wäre auf dem geschäftigen, hart umkämpften Busbahnhof schwieriger gewesen. Nach so einigen Monaten auf Reise rochen wir zwar die Falle, die 45° Lufttemperatur machten jegliche Gegenwehr jedoch völlig unmöglich. Wir ließen uns zum Guesthouse unserer Wahl treiben und liehen schnell noch ein Fahrrad aus, um den Sonnenuntergang auf einer Pagode mit erhobener Aussichtsplattform genießen zu können.

In den folgenden Tagen erkundeten wir mit Fahrrad und Pferdekutsche so einige der schönsten Tempel der Umgebung. Problematisch ist, dass vor dem Betreten eines buddhistischen Heiligtums grundsätzlich die Schuhe ausgezogen werden müssen. Dass es sich in Bagan meist um Ruinen handelt, ändert hieran nichts. Nach stundenlanger Dauerbestrahlung durch die sengende, erbarmungslose Mittagssonne bei konstanten 45° im Schatten artet das Laufen auf dem Marmorboden in eine wilde Hüpferei von einem Schatten zum Nächsten aus. An der Barfuß-Regelung wird vermutlich nur zur gepflegten Touristen-Quälerei festgehalten. Was die Tempel und Landschaft angeht: Neben den Bildern in diesem Eintrag sind noch einige mehr in der Galerie eingestellt.



Bei aller Pracht Bagans hat es einen leicht ironischen Beigeschmack, dass die fehlende Konzentration der Ressourcen auf die Verteidigung des Reiches ein wesentlicher Grund für seinen Untergang war. Man war einfach zu sehr mit dem Pagoden-Bauen beschäftigt. Irgendwie dumm gelaufen. Dennoch, die bloße Silhouette der Pagodenlandschaft, in der goldene, weiße und sandfarbene Stupas zu hunderten über der rötlichen Wüstenlandschaft aufragen, hinterlässt bleibenden Eindruck.

Am unserem letzten Tag in Myanmar gingen wir noch einmal zum Markt in Yangon, um die dortige Bildergalerie zu bewundern. Wir hatten uns vorgenommen, auf der Weltreise zumindest ein Gemälde zu kaufen und waren nach einigem Hin und Her sehr begeistert für das folgende Ausstellungsstück (wir hatten uns zuvor schon in einigen anderen Galerien umgeschaut, die Bilder in Yangon gefielen uns aber eindeutig am Besten). In der Mitte des Fotos ist der junge Maler zu sehen, der gerade zufällig in der Galerie vorbeischaute.

27.04.2011

Im Goldenen Land

Nach knapp 3 Tagen in Myanmars Hauptstadt Yangon fuhren wir vorerst einmal ein kleines Stückchen nach Nordosten, um dem Golden Rock, der zweitwichtigsten buddhistischen Pilgerstätte des Landes, einen Besuch abzustatten. Auf dem Weg fuhren wir an endlosen Reisfeldern vorbei, sahen alle paar Kilometer eine goldgelbe Pagode aus der Landschaft aufragen und beobachteten den extrem einfachen Lebensstil der Bauern. Landwirtschaftliche Maschinen sucht man vergeblich. Haupttransportmittel der Menschen auf dem Land ist der Ochsenkarren oder die Pferdekutsche, gepflügt wird mit einem Ochsengespann. Als ich später meinen Guide auf einer eintägigen Wandertour nach dem Leben der Bauern ausfragte, sagte sie, die Menschen hätten zwar definitiv keinen einfachen Arbeitsalltag, könnten aber von Ihrer Ernte und den damit erzielten Erträgen recht gut leben. An jeglichem „Komfort“ würde es natürlich fehlen – was aber keinen Verzicht für denjenigen darstelle, der nichts anderes gewöhnt sei.

Einige Stunden dauerte die Fahrt bis zum Fuß des Berges, auf dem der Goldene Felsen ruht. Auch bei diesem Heiligtum ist ein Haar Buddhas der Anlass aller Verehrung. Nach der Legende soll dieses Haar den Goldenen Felsen, der auf einer Felskante vor einem Abgrund schwebt, im Gleichgewicht halten und vor dem Sturz in die Tiefe bewahren. Nach einer kurzen Nacht im „Basecamp“ Kingpun, die durch singende Mönche, sagenhaft disharmonische burmesische Musik und jaulende Straßenköter um 5 Uhr morgens ihr unsanftes Ende fand, rappelten wir mit einem Pickup für 45 Minuten den Berg hoch. Oben angekommen hätten wir am liebsten wieder ein Massagezentrum aufgesucht. Bemerkenswert fanden wir, dass die Leute in Burma in weiser Voraussicht auf die gnadenlose Überbelastung der Pickups ganz einfach die Hinterachse des Autos höher legen – und zwar ein ganz schön beträchtliches Stückchen…

Wir wollten die abendliche Atmosphäre am Goldenen Felsen mitbekommen und übernachteten deshalb in einem der Hotels direkt neben dem Wallfahrtsort. Als wir gegen Sonnenuntergang vom Hotel zum Felsen liefen, waren wir nahezu die einzigen Westler weit und breit, weshalb uns viele der Einheimischen verwundert anstarrten (allerdings freundlich, nicht auf unangenehme Art und Weise). Wir wurden sogleich herangewunken und mussten auf den Familienfotos posieren und anschließend noch ein Foto mit jedem persönlich machen lassen. Kurzzeitig hatte ich Bammel, den Rest des Abends Grinsekatze spielen zu müssen (aber gut, ich kann sie verstehen, ich würde auch ein Foto von uns haben wollen ;-) ) Knuffig ist irgendwie, dass die Jugendlichen hier sich aus Freundschaft Händchen halten (ja, auch die männliche Bevölkerung), was bei uns anfangs für etwas Verwunderung sorgte.

Besonders bei Einbruch der Nacht entfaltete der Ort eine freundliche, schöne Atmosphäre. Pilger entzündeten hunderte von Kerzen und Räucherstäbchen und klebten Goldplättchen auf das Heiligtum, das golden durch die dunkle Nacht strahlte.

Wir folgten der „Road to Mandalay“ in die gleichnamige, im Zentrum Myanmars gelegene Großstadt. Mandalay ist Ausgangspunkt für einige Touren, die zu den Ruinen gleich mehrerer versunkener Königreiche führen. Am lohnenswertesten empfanden wir den Tagesausflug nach Mingun, an dem man nach einer beschaulichen Bootsfahrt über den Fluss zwei einzigartige Pagoden besichtigen kann. An Bord des Bootes angekommen wähnten wir uns in Sicherheit vor den Scharen von Souvenirverkäufern, die die wichtigsten touristischen Sehenswürdigkeiten um Mandalay effizient zu belagern wussten. Weit gefehlt: Ein Crewmitglied breitete nach dem Ablegen vom Steg in aller Ruhe ihren kleinen, privaten Souvenirtisch vor uns aus und ließ sich keine Chance entgehen, uns ihre Qualitätswaren unter die Nase zu halten ;-)

Besonders die Mingun-Pagode hatte es uns angetan (trotz der weniger kreativen Namensgebung). Sie sollte die größte Pagode der Welt werden, jedoch wurde der Bau nach dem Tod des damaligen Königs eingestellt. Den Rest besorgte dann ein Erdbeben, welches das Monument mit einigen Rissen versah, die das Bauwerk noch dramatischer erscheinen lassen, als es die planmäßige Bauweise je ermöglicht hätte. Wir bewunderten das Bauwerk und streiften ein wenig durch die Gegend, bevor wir uns auf Rückweg zum Boot machten, wo unsere geschätzte Souvenirverkäuferin schon mit gekühltem Bier auf uns wartete…

Singapur: Eine beeindruckend moderne Ansammlung von Wolkenkratzern und Shopping-Malls. Wir übernachteten einen Großteil der Zeit bei Leuten, die wir über Couchsurfing.org fanden. Vier Tage wohnten wir im 13. Stock eines Wohnhauses und wurden das Gefühl nicht los, in einem Holiday-Resort gelandet zu sein. Eine schicke Aussicht auf die unendliche Skyline Singapurs, vor der Tür drei hübsche, große Swimming-Pools, ein Basketball- und Tennisplatz, ein netter Kinderspielplatz, ein kleiner Foodcourt (Ansammlung von Restaurants mit verschiedenen Ausprägungen, z.B. Chinesisch, Japanisch, Indisch etc.) und so weiter… Wenn man durch die Stadt läuft oder mit der ziemlich neuen, gut angelegten U-Bahn fährt, kommt man zwangsläufig an ca. 35 Einkaufszentren pro Tag vorbei. Ich hatte ja nie gewusst, wie viele Schnösel-Marken es neben Louis Vuitton, Gucci und Prada noch so gibt; die Luxus-Mall in Marina Bay klärte mich auf. Einer unserer Gastgeber meinte, Singapur habe eine unvergleichliche Konsumkultur. Viele Einheimische gingen jeden Abend essen und Shopping sei offizieller Nationalsport. Ein freundlicher Singapurianer (ursprünglich chinesischer Herkunft, wie insgesamt 75 % der Bevölkerung), der Lisa auf der auf der Straße ansprach, erklärte, dass man stolz darauf sei, genug zu essen und zu trinken zu haben und gute Klamotten tragen zu können. In gewisser Weise verständlich, da Singapur der einzige Staat Südostasiens zu sein scheint, in dem (nahezu) keiner hungern muss.

Neben den Einkaufszentren, die für Reisende wie uns eher uninteressant sind, gibt es nach genauerem hinschauen aber auch einige wirklich schöne Ecken in Singapur. Buddhistische und Hindu-Tempel, Moscheen, Kirchen, einen riesigen Zoo, gut ausgestattete Museen und schön angelegte Stadtparks. Man gab uns öfters zu Bedenken, dass Singapur nur 3-4 Tage interessant sei. Wir konnten 7 Tage dort verbringen und hatten nicht das Gefühl, dass uns die Sehenswürdigkeiten ausgingen (allein im sehr guten „Asian Civilisations Museum“ hätte man z.B. zwei Tage verbringen können…).

Unser ursprünglicher Plan, von Singapur weiter nach Yangon in Myanmar zu fliegen, scheiterte sehr eindrücklich. Visumsantrag abgelehnt. Pustekuchen. Nachdem der Sack von einem Angestellten in der Botschaft unseren Antrag mit motzigem Gesicht 10 Sekunden überflogen hatte, gab er uns den hilfreichen Tipp, zurück nach Berlin zu fliegen und dort erneut einen Antrag zu stellen. Die Botschaft Singapurs sei nicht für deutsche Touristen zuständig. Dann winkte er uns weg. Und ich dachte, deutsche Beamte wären besonders unfreundlich… Wir hörten, die Myanmarische Botschaft in Bangkok sei ungleich entspannter im Vergeben von Visa, weshalb wir es dort noch einmal versuchen wollten.

Wir buchten unseren Flug also um und flogen nach Bangkok: Das perfektionierte Chaos. Im Allgemeinen aber ganz symphatisch, stellten wir fest. Wir stiegen zuerst einmal in die Khaosan Rd. ab, dem berühmtesten Zentrum für Reisende. In den Straßen plappern einen konstant Thais darauf an, ob man sich nicht vielleicht einen Anzug schneidern lassen möchte, eine kleine Sightseeing-Tour mit dem Tuk Tuk unternehmen will (meistens kennen die guten Tuk-Tuk-Fahrer sich allerdings weniger mit Geschichte und Kultur aus, dafür umso mehr mit den Provisionssätzen der Geschäfte, die man im Laufe der „Sightseeing-Tour“ abklappert) oder vielleicht einen gefälschten Personalausweis, Führerschein oder gar Universitätsabschluss erwerben möchte. Bars werben mit großen Schildern für ihre starken Cocktails – mit dem Versprechen, garantiert NICHT nach einem Altersnachweis zu fragen. Und das Lustige bei der ganzen Sache ist, dass es die Polizei nicht einen Schimmer interessiert.

Ein Must-Do für jeden Besucher Bangkoks ist die Besichtigung des Königspalastes und Wat Phos. Der Königspalast ist ganz einfach umwerfend schön. Überall aufwändige Wandmalereien mit vergoldeten Verzierungen, in allen Farben glitzernde Stupas und unzählige Bildnisse Buddhas. Lisa verfiel geradezu in einen Fotografierwahn. Im Gegensatz zu der sehr geschäftigen Atmosphäre im Palastgelände wirkte die idyllische Tempelanlage von Wat Pho am späten Nachmittag sehr ruhig. Man konnte gemütlich durch die schönen Gärten und Tempel schlendern, ohne dass man aufpassen musste, einem Japaner ins Souvenir-Foto zu rennen. Der Besuch der dortigen Massageschule sorgte für zusätzliches Wohlergehen ;-) – mit ca. 7 € die Stunde war es eher eines der „teuren“ Massagezentren.

Die zweite Beantragung der Visa verlief übrigens erheblich zufriedenstellender. Wir buchten noch schnell Hin- und Rückflug mit AirAsia – dem RyanAir Asiens – von Bangkok nach Yangon (vormals „Rangoon“) und befinden uns seit dem 18.03. im ehemaligen Birma. Der Wechsel von Bangkok nach Yangon brachte einen weiteren Abfall der Moderne mit sich. Sehr wenige höhere Gebäude, häufig offene Abwasserkanäle und Autos, die bei uns höchstens Schrott- oder Sammlerwert hätten. Wenn man allerdings auf dem prachtvollen Gelände rings um die Shwedagon-Pagode umherläuft, kann man zunächst nicht glauben, dass Myanmar zu den Ländern zählt, die die weltweit geringsten Pro-Kopf-Einkommen vorzuweisen haben. Ca. 10 Tonnen reines Gold bedecken die Pagode, tausende von Edelsteinen glitzern einem von der Spitze entgegen. Zahllose Pilger und Mönche in dunkelroten Roben ziehen ihre Bahnen um das Bauwerk und verehren diese Stätte, in der – so versicherte man uns – acht Haare Buddhas verwahrt werden.

Die Menschen wirken hier sehr oft freundlicher als in allen anderen Ländern, in denen wir bisher waren. Auf der Straße muss man ständig eine Hand freihalten, um den Einheimischen zurückwinken zu können und Kinder strahlen uns Westler mit großen, verwunderten Augen an. Ein buddhistischer Mönch lud mich zuerst zu seinem Englisch-Kurs ein, wo man darauf bestand, mir eine Cola und einen Snack auszugeben. Anschließend wollte er mir sein Kloster zeigen, wo mich der Obermönch mit Tee, Kaffe, Keksen und Sonstigem versorgte. Allein die ersten drei Tage in diesem Land gestalteten sich für Lisa und mich als sehr interessant und wir sind gespannt, was uns in den nächsten Wochen erwartet.

Von dem Erdbeben in Christchurch bekamen wir nichts mit, da wir uns seit dem 12. Februar bereits auf der Nordinsel Neuseelands befinden. Erst verspätet erfuhren wir von Einheimischen, dass das Erdbeben für die Stadt und seine Bewohner erheblich schlimmere Folgen hatte als das letzte. Traurig um die freundlichen Leute dort und um die (für uns) schönste „westliche“ Stadt, die wir auf unserer Reise bisher gesehen haben.

Schon im Mai 2010 buchten wir den Milford Track, eine Wanderstrecke im Fjordland der Südinsel. Ende Januar war es dann so weit, wir machten uns mit jeweils ca. 15 kg Gepäck auf den Weg durch einzigartige Regenwälder voller Farne, bemooster Bäume und Seen. Unzählige Flüsse/Wasserfälle flossen von den links und rechts des Weges liegenden Bergen. Der Pfad schlängelte sich auf einen Pass hinauf, der vor einigen vielen Jahren den einzigen Weg zum bekannten Milford Sound darstellte. Da die Wanderstrecke weltbekannt ist, war natürlich auch zumindest eine geführte japanische Gruppe dort unterwegs. Fröhlich schnatternd zog das Grüppchen, das größtenteils aus Frauen bestand (manche mit Mundschutz und weißen Handschuhen) entlang des Pfades. Eine von Ihnen kam sichtlich verwirrt in die Hütte für unabhängige Wanderer (die Schilder waren eben nur auf Englisch) und redete auf japanisch auf uns ein. Wir vermuteten, sie suche nach ihrer Gruppe, und deuteten ohne viele Worte auf den Hüttenabschnitt nebenan, woraufhin sie kurz verschwand, wieder auftauchte, ein paar Worte plapperte und wieder verschwand. Wir betrachteten es einfach mal als Danksagung. Eine außergewöhnliche Begegnung ;-)

4 Tage dauerte die Wanderung. Wir schätzten uns glücklich mit 2 perfekten Sonnentagen und 2 Regentagen, da die Gegend für heftige Regengüsse bekannt ist. Eine 2-stündige Bootstour auf dem Milford Sound mit seinen steil abfallende Bergwänden und dem Mitre Peak (für viele das Wahrzeichen Neuseelands) stellte den Höhepunkt unserer Tage im Fjordland Neuseelands dar. Nach den Strapazen einer solchen Wanderung kann man das Erlangte besonders gut genießen, auch wenn sich der Milford Sound heutzutage problemlos mit einer der zahllosen Touri-Busgesellschaften erreichen lässt. Wir verließen das Fjordland am darauffolgenden Tag und fuhren nach einem Abstecher zum Mt. Cook, dem höchsten Berg Neuseelands, zurück auf die Ostseite der Insel.

In den folgenden Wochen schauten wir uns ehemalige Goldgräberdörfer und die Filmlocation von Edoras (Herr der Ringe) an, fuhren in den Abel Tasman National Park, der für seine perfekten Urlaubsstrände bekannt ist, machten eine Weintour, setzten auf die Nordinsel über wo wir u.a. das geniale „Museum of New Zealand“ in Wellington besuchten, durchkreuzten die karge Landschaft des Tongariro National Park, stiegen auf zwei Vulkane, fuhren mit einem Boot durch eine Grotte, die durch das blassgrüne Licht tausender Glühwürmchen erleuchtet wurde und so weiter und so weiter. Da Neuseeland vor allem landschaftlich herausragend ist und Beschreibungen von Landschaft nur schwer so viel ausdrücken können wie Bilder, empfehle ich einfach mal die Bildergallerie ;-)

Die Stadt Rotorua fiel zunächst vor allem durch den ganz erbärmlichen Gestank auf. Es roch wie auf einer faulen-Eier-Plantage. Der Grund hierfür ist die hohe geothermale Aktivität: Überall strömen Gase aus der Erde, der Boden dampft, Geysire schießen Wasserfontänen in die Luft, Schlammbecken blubbern vor sich hin und Bäche kochen auch schon mal.

Die Maori (Anm. d. R.: Ureinwohner Neuseelands, im 13. Jahrhundert von Tahiti nach Neuseeland gekommen) ließen sich vor langer Zeit hier nieder, um die natürliche Fußbodenheizung der Region für ihre Zwecke zu nutzen und auch heute bilden die Maori einen hohen Prozentsatz der Bevölkerung. Durch verschiedene Elemente wie Arsen, Schwefel oder Mangan bilden sich an vielen Stellen auf der Erde oder im Wasser rote, gelbe und grüne Ablagerungen. Sehr treffend wurden sich zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten hübsche Namen wie „Devil’s Bath“ und „Hell’s Gate“ ausgedacht.

Hobbingen haben wir auch noch einen Besuch abgestattet. Cool hierbei war vor allem, dass diese Herr der Ringe-Filmlocation wegen den baldigen Dreharbeiten zur Verfilmung von „Der kleine Hobbit“ wieder so richtig rausgeputzt wurde. Es sah einfach genau aus wie im Film, wir waren begeistert. Leider mussten wir eine Erklärung unterschreiben, nach der wir uns verpflichteten, keine Fotos oder Informationen ins Internet zu stellen. Bilder gibt’s also leider erstmal nicht.

Dieses matschige Spektakel findet am Hot Water Beach auf der Coromandel Peninsula statt, welches unser letztes Ziel vor der Fahrt nach Auckland darstellte. Eine sehr ungewöhnliche Attraktion. Regelmäßig zur low tide, Ebbe, wird ein Teil des Strandes freigelegt, an dem die Touristen wie im Wahn anfangen, Löcher zu buddeln. Sofern man an der richtigen Stelle buddelt, quillt ca. 64°C heißes Wasser aus dem Boden. Anfangs bricht also ein wilder Kampf um die begehrten Standorte der zukünftigen Privat-Pools aus, den der gewinnt, der am schnellsten einen abgegrenzten Bereich buddeln kann. Man konnte sich also voll und ganz, schwelgend in Kindheits-Erinnerungen, dem Bau einer möglichsten wasserfesten Sandburg hingeben, was durch die nüchterne Begründung, eine Pool errichten zu wollen, legitimiert wurde.

Wir kamen etwas verspätet bereits zum morgendlichen Niedrigwasser um ca. 7 Uhr, buddelten weniger erfolgreich ein paar jämmerliche Löcher mit lauwarmen Wasser und merkten uns daraufhin, welche Pools vielversprechend aussahen (war recht leicht am stolzen Gesichtsausdruck der Besitzer anzusehen). Abends kamen wir dann bestens vorbereitet zurück, mit der Schaufel eines netten Bauarbeiters ausgerüstet, die dieser uns kostenlos zur Verfügung stellte. Wir zählten in Schatzsucher-Manier die Meter von einem Fixpunkt bis zum erwünschten Standort und mussten feststellen, dass bereits mehrere andere Leute an dieser Stelle herumstanden. Mit einem tief in den Boden gerammten Spaten hatten sie schon demonstrativ ihr Revier markiert, das sie selbstsicheren Blickes zu verteidigen gedachten. Lisa hielt – ein wenig dreist – einen deutlich zu geringen Abstand ein und rammte unsere Schaufel, herzlich lächelnd, in den Boden. Einige begannen hoffnungslos frühzeitig, ihre Pools zu errichten, was die Wellen straften. Wir verbündeten uns mit zwei anderen Deutschen und hatten bald – davon bin ich überzeugt – das wärmste Pool am Strand. Anfangs stolz auf unsere tolle Heißwasserquelle, verdeutlichte sich aber bald, dass es zu viel des Guten war. Je mehr heißes Wasser nachströmte, desto weiter rutschten wir an den Rand des Beckens, bis wir schließlich einen Wasserkreislauf mit den kalten Becken der Nachbarn aufbauten (win-win-Situation).

In Auckland angekommen gaben wir unseren Camper zurück, schickten ein Paket mit überflüssigem Gepäck nach Deutschland (nachdem wir uns mit den Zollvorschriften vertraut gemacht und entsprechende Schreiben an den deutschen Zoll verfasst hatten) und wohnten noch 4 Tage bei einem über Couchsurfing gefundenen Neuseeländer. Jetzt wartet mit Südostasien der letzte große Abschnitt unserer Reise…

11.02.2011

Neuseeland

Am 7. Januar verließen wir Australien. Sowohl Katze als auch Goldfisch überlebten unsere 2-wöchige Schreckensherrschaft. Wobei ich zugeben muss, dass wir – trotz liebevoller Pflege – das ein oder andere Mal um das jähe Ableben des Fisches bangten. Das Wasser wurde mit der Zeit so ungewöhnlich trübe, weshalb wir begannen, sein Schwimmverhalten zu analysieren um auf den jeweiligen Gemütszustand zu schließen (mit Mimik oder jeglicher Lautäußerung lässt sich da einfach wenig anfangen). Wie auch immer, wir waren froh, als wir Wohnung und Inhalt in einwandfreien Zustand wieder an den Besitzer übergeben konnten.

Wir flogen von Sydney nach Christchurch, der größten Stadt der Südinsel Neuseelands. Als wir ankamen, waren wir sofort begeistert. Eine gemütliche Kleinstadt voller Blumengärten, kleinen Handwerksmärkten zwischen architektonisch stilvollen (neugotischen) Gebäuden und einem großem Platz vor der Kathedrale, auf dem mehrere Musiker und Straßenkünstler für gute Atmosphäre sorgten. Zudem fiel uns sofort das sehr heimische Klima auf, die Ähnlichkeit mit dem deutschen Sommer war unverkennbar. Wir genossen bei einer guten Krakauer im Brötchen (dank sei dem dort ansässigen deutschen Metzger) das kleinstädtische Ambiente.

Als wir Christchurch angeschaut hatten und im Besitz unseres im Voraus gemieteten Campers waren, fuhren wir über den Arthurs Pass auf die Westseite der Südinsel. Wir machten eine eintägige Tour auf den 5. Größten der insgesamt 3.165 Gletscher Neuseelands, deren Höhepunkt das Kriechen durch kleine Gletschereishöhlen war. Dieses blau schimmernde, kalte, reine Eis muss man einfach mal gesehen und gefühlt haben…

Nachdem wir in Ecuador echte Fans von „Hot Springs“, heißen Quellen, geworden sind, freuten wir uns, feststellen zu können, dass auch die Neuseeländer in dieser Sache einiges zu bieten haben. Im Preis der Gletschertour war auch der Eintritt für die ortsansässigen Pools enthalten. Eine sehr angenehme Abendbeschäftigung nach einem Tag auf dem Gletscher, auch wenn man die maximale Wassertemperatur im Vergleich zu Ecuador höchstens als lauwarm bezeichnen konnte…

Nachdem wir die darauffolgende Erkältung überstanden hatten, fuhren wir in die Seenregion um das berühmt berüchtigte Queenstown, dessen Angebotsvielfalt an Extremsportarten seinesgleichen sucht. Wir hatten uns bereits in Deutschland vorgenommen, einmal „skydiven“ zu gehen, weshalb wir eines sonnigen Tages bei 12,000 Fuß bzw. 3,650 Meter Höhe über der unglaublichen Landschaft von Wanaka voller türkiser Seen und teils schneebedeckter Berge (siehe Bild) aus dem Flugzeug sprangen (nicht alleine, wir hatten jeweils noch Einen an den Rücken geschnallt). Der Fallschirm ging auf, alles ganz unproblematisch.

Im Anschluss drehten wir eine Runde im bitterkalten Süden Neuseelands. Hier kommen die Meeresströmungen und Winde aus der Antarktis an und sorgen für dementsprechend raues Küstenklima mit meterhohen Wellen, die gegen die Felsküsten schmettern. Da wir am Höhepunkt der Pinguinbrutsaison in dieser Gegend waren, legten wir uns abends auf die Lauer, um Papa-Gelbaugenpinguin in zuckersüßter Pinguin-Manier aus dem tosenden Meer auftauchen und zu seinem Nest watscheln zu sehen. Dort erbrach er dann in aller Seelenruhe seine Tagesbeute in die hungrigen Schlünde seiner Nachkommen. Tja, um unsere Vorstellungen von Ästhetik scheint sich die Natur weniger Gedanken zu machen…

Fans makaberen Humors kommen übrigens sowohl in Australien als auch in Neuseeland dank öffentlicher Werbemaßnahmen, die für das Einhalten der Geschwindigkeitsbegrenzungen plädieren, voll auf ihre Kosten. An den Highways sieht man des Öfteren Schilder wie beispielsweise dieses:

Da ist man als Deutscher schon geringfügig subtilere Werbemaßnahmen gewöhnt…

14.01.2011

Rückblende

Unsere Reise in Australien neigte sich nach ziemlich genau 3 Monaten und 8.388 km mehr auf dem Tacho unseres treuen Autos dem Ende zu. Sehr viele schöne Dinge haben wir gesehen und erlebt, dass muss man sagen. Völlig andere Erlebnisse allerdings als in Südamerika – frei von jeder Wertung. Das Gefühl und die Art des Reisens in Australien unterscheiden sich unserer Erfahrung nach sehr grundsätzlich im Vergleich zu Ecuador und Peru. Durch die mit Deutschland vergleichbare „Wohlstandskultur“ ist man als Reisender oft weniger herausgefordert, vieles ist gut organisiert und man fühlt sich grundsätzlich sicher. Genau genommen könnte man nahezu ausblenden, dass man ein Fremder hier ist. Man versteht die Sprache, in der man sich immer mehr zu Hause fühlt, recht gut (nachdem man sich an den teils haarsträubenden australischen Akzent gewöhnt hat ;-) ) und wenn man nicht völlig desorientiert durch die Stadt läuft, fällt man auch Anderen nicht zwangsläufig als Ausländer auf. Man hat keine Bedenken dabei, Kamera und Geldbeutel bei einem abendlichen Spaziergang mitzunehmen und kann eigentlich alles Essen und Trinken, ohne sich möglicherweise eine Lebensmittelvergiftung zuzufügen (nachdem man einmal eine heftige Lebensmittelvergiftung hatte, wie wir in Quito, gibt man darauf verdammt gut Acht). Auch sieht man keine 7-jährigen Kinder in den Straßen, die darum betteln, einem für einen Dollar die Schuhe putzen zu dürfen. Jedes mal stellt man sich hierbei zwangsläufig die Frage: Lasse ich das Kind etwas tun, damit es bzw. seine Familie vielleicht, sofern sie das Geld behalten können, ein wenig mehr zum Leben haben, oder lehne ich aus Prinzip ab, weil es sich um Kinderarbeit handelt, in Kauf nehmend, dass die finanziellen Probleme des Kindes/dessen Eltern dadurch garantiert nicht besser werden? Die dritte Möglichkeit wäre, ihm das Geld ohne Gegenleistung zu geben; die bequemste Wahl, da man sich Ausweg aus der unangenehmen Situation, dass ein kleines Kind für Geld die eigenen Schuhe putzt, schafft. Immer kann man aber auch nicht zusagen, da dies definitiv ein vorzeitiges Ende unserer Weltreise zur Folge hätte, und der Mensch bekanntlich egoistisch ist.

Aus all diesen Unterschieden folgt der Vorteil, sofern man es einen Vorteil nennen will, dass das Reisen an sich erheblich weniger „anstrengend“ ist. Jedoch ist es auch gerade diese anstrengende Andersartigkeit, die das Reisen an sich so interessant macht. Wir sind also froh, sehr verschiedene Länder auf unserem Reiseplan zu haben, die aus ganz unterschiedlichen Gründen eine Reise wert sind.